Hintergrundwissen: Was hat es mit den russischen Matroschka Puppen auf sich?

Wer hat sie nicht schon einmal gesehen, die Matroschka-Püppchen, die russischen Schachtelpuppen. In jeder steckt eine jeweils kleinere Schwester, sodass man im Nu eine ganze Gruppe von ihnen hervorzaubern kann. Ein reizvolles buntes Spielzeug also. Für eine ganze Weile war es still um sie, doch jetzt sind die attraktiven Matroschkas zurück, als Wandsticker fürs Kinderzimmer.

Die Matroschka oder auch, aus dem Kyrillischen transkribiert, Matrjoschka geschrieben, ist eins der beliebtesten und typischsten Souvenirs aus Russland. Doch wer nun denkt, die Matroschka müsste auf uralte Vorbilder zurückgehen, der täuscht sich. Tatsächlich gibt es zwar eine Tradition aus heidnischer Vorzeit, die mit in christliche Zeitalter übernommen wurde, denn im slawischen Kulturkreis galten Eier nämlich als Fruchtbarkeitssymbole und Glücksbringer. Man bemalte sie mit bunten Mustern. Später wurden solche Eier aus Holz angefertigt und verschenkt.

Die Geburt der Matroschkas vermutet man erst um die vorletzte Jahrhundertwende. Nur eins ist gewiss, ein liebenswertes Fantasiefigürchen im Gewand einer russischen Bäuerin ging dabei eine Verbindung mit den traditionellen Fruchtbarkeitssymbolen, den Eiern ein.

Unterschiedliche Entstehungsgeschichten

Von einer Reise soll die Gattin eines russischen Malers den kleinen dicken japanischen Glücksgott Fukurokuju mitgebracht haben. Der Glücksgott ebenso wie das innen hohle, gedrechselte Osterei waren bereits nach dem Schachtel-Prinzip angefertigt. Jedes Figürchen und jedes Ei beherbergte im Inneren je ein weiteres, kleineres Exemplar. Nun musste nur noch ein typisches Motiv gefunden werden.

Eine weitere von vielen verschiedenen Entstehungslegenden sagt, dass die Matroschka zwar keine Mutter, dafür aber zwei Väter vorweisen kann. Den Maler Sergej Maljutin und den Drechsler Wassilij Zwjozdotschki, die als die Ersten die freundlichen kleinen Schachtelpüppchen in der heute bekannten Form anfertigten. Ihr Vorbild war eine Bäuerin in typischer Tracht und mit Kopftuch. Acht Püppchen steckten jeweils ineinander, wovon eine als Junge bemalt ist: Ein Symbol für Familie und Fruchtbarkeit, angefertigt für Kinder. Den Namen hat Matroschka mit vielen russischen Frauen und Mädchen gemein.

Über 100 Jahre Matroschkas

Heute gibt es in Moskau ein Matroschka-Museum, in dem noch mehr möglich Entstehungsgeschichten dokumentiert wurden. Eine Version erzählt beispielsweise, dass mit der Matroschka eine Gruppe von Malern um die letzte Jahrhundertwende versuchte, die russische Volkskunst neu zu beleben.

Bis heute werden Matroschkas von Hand hergestellt, meist aus Linden- oder Birkenholz. Mit dem Schnitzen beginnt man mit der kleinsten Puppe, die oft nicht größer als ein Fingernagel ist, die folgenden werden in Form und Größte angepasst. Ein Maler gibt der Puppenfamilie dann Farbe, Gesicht und Kleid. Die traditionelle Matroschka hat rocke Bäckchen, große schwarze Augen und ein freundliches Lächeln. Bei sich trägt sie Blumen, Früchte oder einen schwarzen Hahn.

1990 wurde der Prototyp der Matroschka auf der Weltausstellung in Paris präsentiert und feierte sofort einen Riesenerfolg. Fortan wurden die Püppchen in einer ganzen Reihe von Orten rund um Moskau produziert, um die große weltweite Nachfrage zu befriedigen. Je nach Region entwickelten sich mit der Zeit auch ganz bestimmte Typen, die sich in Form, Farben, Art der Bemalung und Tracht unterscheiden. Längst gibt es Matroschkas als Tiere oder mit den Gesichtern von bekannten Persönlichkeiten. Ein Set beispielsweise enthält Russlands Regierende im Sammelpack: Putin, Jelzin, Gorbatschow, Stalin und schließlich Lenin. Matroschkas werden als Give-aways mit Firmen-Logos hergestellt, oder als originelle Einladungen mit den aufgemalten Gesichtern von Braut und Bräutigam darauf. Auch mit Motiven passend zu verschiedenen Anlässen werden sie hergestellt. Die Zahl der Figuren variiert – drei, fünf, sieben oder auch mehr als fünfzehn Figuren in beachtlicher Größe wurden bereits angefertigt.

Matroschkas als Reisesouvenir kauft man bereits ab fünf Euro, für Designerstücke dagegen muss man dreistellige Beträge anlegen. Auf Märkten findet man sie als echtes Kunsthandwerk und in ihrer liebenswerten ursprünglichen Gestalt.

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