Profitiert die Wirtschaft der Ukraine von der vergangenen EM 2012?

In der Ukraine wurde für die EM 2012 eine völlig neue Infrastruktur geschaffen, die natürlich auch jetzt nach der Europameisterschaft genutzt wird. Gute Verkehrsanbindungen sind in allen Industrieländern die Grundvoraussetzung für wirtschaftliches Wachstum und auch die Ukraine hat in diesem Punkt garantiert vom Fußballgroßereignis profitiert, doch bis das sichtbar wird, werden vermutlich noch einige Jahre vergehen. Da auch Wirtschaftsgroßmächte wie Deutschland nicht spürbar von einem sportlichen Großereignis profitieren konnten, musste man auch in der Ukraine die Erwartungen zurückschrauben, doch was die Entwicklung des Landes betrifft, gibt es noch einige Möglichkeiten, die ausgeschöpft werden könnten.

Ökonomische Impulse bleiben begrenzt

Wirtschaftsexperten sehen keinen Grund zur großen Freude, wenn sie die wirtschaftlichen Folgen der EM für die Ukraine abschätzen sollen. Erfahrungsgemäß lässt der wirtschaftliche Impuls, der durch ein Großereignis erzielt wurde, danach auch langsam wieder nach und auch in Deutschland konnte man nach der WM 2006 diesen Effekt beobachten. Hierzulande schrieb man etwa 0,02 Prozent des Bruttoinlandprodukts der WM zu und ähnliche Prozentzahlen konnten auch andere Länder, die sportliche Großereignisse ausrichteten, bisher vorweisen. Damit wäre auch für die Ukraine ein wirtschaftlicher Profit durch die EM nur in einem sehr kleinen Rahmen denkbar. Doch es gibt positive Effekte, die sich nur schwer messen lassen und so kann das Land durchaus in den kommenden Jahren einen großen Entwicklungssprung schaffen. Hierfür ist allerdings entscheidend, wie sich die Regierung des Landes entscheidet, denn für wirtschaftliches Wachstum müssten wichtige Veränderungen durchgesetzt werden und noch gilt das Land als zu starr, um hier entscheidende Ergebnisse in den kommenden Monaten erwarten zu können.

Industriewachstum wird erst später spürbar

Nicht nur die vier Flughäfen der Gastgeberstädte wurden für die EM modernisiert, auch die Grenzübergänge und der Schienenverkehr erhielten umfassende Investitionen. Der Tourismus wird in den kommenden Jahren sicherlich von diesen Maßnahmen profitieren, doch noch ist es zu früh, um hier Zahlen nennen zu können. Besucher, die während der Fußballspiele das erste Mal im Land waren, wurden mit vielen verschiedenen Veranstaltungen überrascht und sicherlich werden einige davon in den kommenden Jahren ihren Urlaub gern in der Ukraine verbringen. Die Regierung der Ukraine geht von einem Wachstum der Tourismuszahlen aus, die sich im Millionenbereich bewegen, doch nicht alle Experten teilen diese Meinung. Es bleibt also auch hier abzuwarten, ob die EM 2012 für die Ukraine ein echtes Sprungbrett sein kann oder ob das Land noch einige Jahre braucht, bis es bereit ist für den europäischen Standard. Auch die ansässige Industrie konnte bisher nur in kleinem Maße von der EM profitieren, doch durch die ausgebaute Infrastruktur könnte sich das in den kommenden Jahren ebenfalls noch positiv verändern. Wo Verkehrsanbindungen in ausreichende Anzahl vorhanden sind, könnten sich auch deutsche Unternehmen niederlassen, doch dazu muss auch die rechtliche Seite erst geklärt werden. Die Unabhängigkeit der Justiz muss ebenfalls gefördert werden, damit das Land sich auch wirtschaftlich dem europäischen Standard nähern kann und so Besucher und Investoren anlockt.

Das Assoziierungsabkommen muss kommen

Bereits vor der EM gab es Gespräche mit der EU. Ein Assoziierungsabkommen sollte unterzeichnet werden, doch dafür müssten europäische Standards in der Ukraine eingeführt werden. Da der Staat noch immer eine wichtige Rolle bei der Vergabe von Aufträgen spielt, sind hier große Veränderungen notwendig um eine Öffnung in Richtung EU zu erreichen. Ausländische Investoren würden sicherlich vermehrt ins Land kommen, wenn diese Problematik behoben wäre, doch zurzeit ruhen die Verhandlungen mit der EU. Einen nachhaltigen ökologischen Nutzen aus der EM 2012 kann die Ukraine nur erzielen, wenn sie viele grundlegende Voraussetzungen im Land verändern und es bleibt abzuwarten, wie sich die Auswirkungen der Großveranstaltung langfristig in Zuwächse und Gewinne umwandeln lassen.

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